Händehygiene

Die Hände dienen dem Menschen als vielseitiges Werkzeug bei seinen alltäglichen Aufgaben im privaten Bereich und im Arbeitsalltag. Durch die vielen verschiedenen Tätigkeiten mit den Händen kommt der Mensch unvermeidbar mit verschiedenen Gegenständen, aber auch Personen in Kontakt. Durch die Vielzahl an unterschiedlichen Berührungspunkten ist die Belastung der Hände mit Mikroorganismen dementsprechend hoch, was zu einer schnellen Verbreitung von Mikroorganismen führt. Das Risiko an Kreuzkontaminationen (Übertragung von Keimen von kontaminierten Material auf nicht kontaminiertes Material durch die Berührung beider Materialien von einer Person) steigt ebenfalls durch die hohe Anzahl an verschiedenen Kontaktpunkten der Hände. Somit werden 95 % der Infektionen von Patienten im Krankenhaus über die Hände übertragen. Eine gut umgesetzte Händehygiene kann somit den Großteil an Hygienerisiken verhindern. Die Händehygiene wird über vier verschiedene Komponenten umgesetzt. Diese einzelnen Komponenten ergänzen sich und bauen aufeinander auf.

Der erste Schritt der Händehygiene: Händewaschen.

Die Hand wird unter mechanischer Einwirkung von Verschmutzungen befreit. Der Einsatz von Seife kann die Wirkung des Händewaschens unterstützen. Die Seife hat meist die Funktion, fettlösend zu wirken, um ölige Verschmutzungen besser von der Hand lösen zu können. Jedoch werden beim Händewaschen auch die natürlichen hauteigenen Öle von der Ober äche entfernt. Durch die Entfernung dieses hautei- genen Schutzmantels kann die Hand austrocknen und es können Risse entstehen. Diese Hautirritationen bieten Mikroorganismen wiederum Nischen, um sich optimal vermehren zu können.Das Händewaschen kann maximal 99 % der Bakterien und 99,99 % der Viren von der Haut entfernen.

Händehygiene Einweghandschuhe

Aus dem Grund, dass die Hand durch das Waschen stark beansprucht wird und dadurch das Risiko von Hautirritationen entsteht und die mikrobiologische Wirksamkeit für hygienisches Arbeiten nicht ausreichend ist, sollte das Händewaschen dazu genutzt werden, Schmutz zu entfernen. Das Händewaschen hat vor allem im privaten Umfeld eine ausreichend hygienische Wirkung. Eine saubere und schmutzfreie Hand ist jedoch die Voraussetzung, um eine Händehygiene umzusetzen.

Der zweite Schritt zur Händehygiene:
Hygienische Händedesinfektion.

Die Händedesinfektion richtet sich nur gegen die mikrobielle Kontamination und dient nicht dazu, Partikel oder Schmutz zu entfernen. Die Händedesinfektion wird mithilfe eines Handdesinfektionsmittels umgesetzt. Diese Mittel bestehen in Deutschland überwiegend aus Alkohol mit einer Konzentration von 70–95 %. Die Händedesinfektionsmittel haben im Gegensatz zum Händewaschen eine deutlich bessere Wirksamkeit gegenüber der mikrobiellen Belastung durch Bakterien und Pilzen.

Jeder Mitarbeiter sollte sich deshalb vor dem Betreten des hygienischen Raumes die Hände desinfizieren. Zusätzlich sollte eine Handreinigung vor Arbeitsbeginn oder nach Pausen erfolgen. In sehr kritischen Bereichen kann zusätzlich das Tragen von Handschuhen vorgeschrieben werden.
Die folgende Abbildung zeigt, wie eine hygienische Händedesinfektion korrekt durchgeführt wird.

Hygieneplan - Händedesinfektionsplan
Abbildung 1: Hygienische Händedesinfektion, L. Wendland, Online Trainer GmbH

 

Die Durchführung einer hygienischen Händedesinfektion ist von den Herstellern, aber auch von Instituten genau vorgegeben. Das Robert Koch Institut empfiehlt ein Volumen von 3–5 ml in beiden Händen zu verteilen. Dabei sollen Fingerspitzen, Nagelfalze, Daumen, Fingerzwischenräume, Innen- und Außenflächen üblicherweise 30 Sekunden mit dem Desinfektionsmittel benetzt sein.

Die Wirkung gegenüber Viren ist teilweise nur begrenzt vorhanden. Wenn ein Händedesinfektionsmittel gegen Viren eine desinfizierende Wirkung besitzt, dann wird das Produkt als „begrenzt viruzid“ deklariert. Eine sporizide Wirkung eines alkoholischen Desinfektionsmittels ist grundsätzlich nicht vorhanden. Festzuhalten ist a, dass die alkoholische Händedesinfektion weniger schädlich ist als das Waschen. Jedoch wird durch das Desinfektionsmittel keine Reinigung unterstützt. Außerdem beinhaltet ein Händedesinfektionsmittel, neben dem Alkohol zur desinfizierenden Wirkung, Rückfetter für die Haut, um die Belastung dieser zu reduzieren.

Anlässe zur Händedesinfektion
in der Pflege und der Gesundheitsbranche

Die Weltgesundheitsorganisation emp ehlt eine Händedesinfektion zu folgenden Anlässen. Unabhängig davon, ob nach der Händedesinfektion sterile oder unsterile Handschuhe getragen werden:

  • Vor Arbeitsbeginn
  • Unmittelbar vor dem Patientenkontakt
  • Unmittelbar vor aseptischen Tätigkeiten
  • Unmittelbar nach Kontakt mit möglicherweise kontaminierten Material
  • Unmittelbar nach dem direkten Kontakt mit der Patientenumgebung
  • Nach dem Ablegen von Handschuhen
  • Nach den Pausen oder Toilettenbesuch

Die dritte Komponente der Händehygiene: Hautschutz und Hautpfege

Der Hautschutz und die Hautpflege stellen die dritte Komponente der Händehygiene dar. Um eine Händedesinfektion erfolgreich und effektiv durchführen zu können, muss die Haut in einem gepflegten Zustand sein. Schutz und Pflege der Haut sind eigentlich nicht als hygienische Maßnahme, sondern dem Arbeitsschutz des Mitarbeiters dienlich. Hauterkrankungen sind eines der am meisten auftretenden Berufskrankheiten in Deutschland.

Somit sind Hautschutz und Pflege nicht nur Voraussetzung, um Kreuzkontamination in einem hygienischen Umfeld zu vermeiden, sondern auch ein Faktor, um langfristig gesund in diesem Umfeld arbeiten zu können.
Gründe für eine geschädigte Haut sind besonders zu häufiges Waschen der Hände und ungenügende Nutzung von Schutz- oder Pflegeprodukten.

Grundsätzlich ist der Hautschutz vor einer belastenden Tätigkeit und bei Bedarf auch zwischen Arbeitstätigkeiten und die Hautpflege nach einer solchen Tätigkeit anzuwenden. Einige Hersteller bieten auch Kombipräparate an, die beide Aufgaben erfüllen sollen.
Die verwendeten Produkte sollten keine Farb- oder Parfümstoffe enthalten. Auf diese Zusätze könnte ein Mitarbeiter bei regelmäßiger Anwendung Allergien entwickeln.

Die vierte Komponente der Händehygiene: Einweghandschuhe.

Schutzhandschuhe sind zum einen gefordert, wenn Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum feuchte Reinigungsarbeiten durchzuführen haben. Zum anderen haben Handschuhe, neben der Schutzfunktion der Haut vor ungesunden Stoffen, eine hygienische Funktion.

Eine Händedesinfektion, auch wenn diese noch so gründlich und gewissenhaft durchgeführt wird, führt nicht zu einer sterilen (keimfreien) Haut. Ein Rest an Bakterien und Pilzen befindet sich weiterhin auf den Handflächen. Außerdem sind die alkoholischen Händedesinfektionsmittel nicht wirksam gegen unbehüllte Viren und Sporen. Aufgrund dieser Tatsache muss ein Mitarbeiter in bestimmten Situationen Handschuhe tragen.

Händehygiene Einweghandschuhe

Handschuhe schützen einen Patienten während einer Operation vor Infektionen. In der Lebensmittelin- dustrie werden das Produkt und der Kunde vor Mikroorganismen in Lebensmitteln und dem Verderb dieser geschützt. In der Pharmaindustrie schützen die Handschuhe vor Kontaminationen von Arzneimitteln.

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